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Geschichte

Die Kirche, die zuerst im Liber valoris, um 13oo, ausdrücklich genannt wird, ist wahrscheinlich schon wesentlich älter.

Um die Wende des 14. Jh. scheint ein drei-schiffiger Neubau errichtet worden zu sein, von dem die wesentlichen Teile, Turm und Schiff, stammen; Chor und Sakristei gehören dem 15.-16. Jh. an, der Turmaufbau dem 17.Jh.

Im 18. Jh. wurden die Seitenschiffe verändert, dabei im J. 1779 die südliche Vorhalle angefügt; im J. 1698 war die Sakristei überhöht worden.

In den J. 1898 - 1900 ist an anderer Stelle ein Neubau nach Plänen des Architekten Ross in Köln errichtet worden; die alte Kirche ist seitdem außer Benutzung und in starkem Verfall.

Auszug aus dem 1910 erschienen Buch: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz;

Band 9; Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren.

 

Beschreibung

Dreischiffiger flachgedeckter Bau von Sandstein und Backsteinen aus dem 14. -18. Jh. mit eingebautem Westturm, im Lichten etwa 27 m lang, 14 m breit.

Der dreigeschossige Westturm von länglicher Grundform ist in den beiden unteren Geschossen aus großen roten Sandsteinquadern hergestellt; im Erdgeschoss nach Westen ein kleines Spitzbogenfenster, um das sich die Geschosse trennende Gesims verkröpft. Das zweite Geschoss hat an Süd- und Nordseite je eine runde Luke mit Masswerk.

Diese Details wie die Gesimse sind in der Art der Kölner Hochgotik sehr sorgfältig behandelt.

Die ganz einfache Glockenstube aus Backsteinmauerwerk, mit je zwei Korbbogenfenstern an den Breitseiten und je einem an den Schmalseiten, trägt eine hübsche geschweifte Schieferhaube mit geschlossener Laterne.

Das unter einem großen Dach liegende Langhaus stammt in den unteren Partien der Seitenschiffe, die aus großen Sandsteinblöcken hergestellt sind, noch von der gotischen Anlage, die oberen Mauerteile von Backsteinen und die rundbogigen Fenster aus dem 18. Jh.

Die Südtür mit geradem Sturz ist spätgotisch; die kleine schräg ansetzende Vorhalle trägt auf dem Schlussstein die Jahreszahl 1779.

 

Der Chor, aus Bruchsteinen mit Eckquaderung, hat in den Schrägseiten Rundbogenfenster des 18. Jh., an der Ostseite noch das alte vermauerte spitzbogige Maßwerkfenster. An der Südseite schließt der Rest eines früheren Querarmes an, der im 18. Jh. nach Süden mit einem großen Rundbogenfenster versehen worden ist.

Die Sakristei an der Nordseite hat im Erdgeschoss ungeteilte spitzbogige Maßwerkfenster, das Obergeschoss aus Backsteinen mit Giebel, Satteldach und kleinen rechteckigen Fenstern trägt in Eisenankern die Jahreszahl 1698.

Im Inneren sind Turmhalle und Schiffe flach gedeckt; der Turm öffnet sich nach Norden und Süden in je einem, nach Osten in zwei Spitzbogen.

Die Scheidemauern haben spitzbogige Arkaden auf derben Säulen mit polygonalen Sockeln und Kämpfern. Der Chor hat eine einfache Rippenwölbung auf schlicht profilierten Konsolen; der Rest des südlichen Querarmes erscheint als eine tiefe Wandnische mit spitzbogigem Gurt.

Auf dem Sturz der Sakristeitür das Chronogramm:

MATTHAEVS SCHEVTTHEVBT, PASTOR, RENOVAVIT ET AVXIT. DEO SIT LAVS ET HONOR (=1698); daneben nochmals die Jahreszahl 1698.

Im Inneren der Sakristei einfaches Kreuzrippengewölbe, das Obergeschoss mit flacher Decke.

Auszug aus „Nachrichten aus der Rheinischen Denkmalpflege“; Ausgabe Ende Januar 1922

 

Sturmschäden an der Kirche in Merzenich

Der Orkan am 6. November 1921, der die Umgebung von Düren besonders schwer heimgesucht hat, hat namentlich auch zwei alte Kirchen getroffen.

Das alte malerische Kirchlein in Merzenich, dessen Erhaltung sich bislang nicht ermöglichen ließ, hat den barocken Turmhelm verloren.

Auszug aus Martiniacum-Merzenich

Festschrift zum Sippentag Merzenich am 21./22. September 1935

Sonderdruck “Rurland Beilage zum Westdeutschen Beobachter Düren“

 

Ordnungsarbeiten an der alten Kirche

Nachdem die neue Pfarrkirche erbaut war, konnte das Geld für den Unterhalt der alten Kirche nicht mehr aufgebracht werden.

So zerfiel dieses schöne Denkmal mittelalterlicher Kunst immer mehr.

Der Dachstuhl zerfiel bald, seine Reste stürzten auf das Gewölbe.

Durch Kälte und Wasser wurde diesen in der schlechten Jahreszeit hart zugesetzt.

Der schöne alte Friedhof rings um die Kirche zerfiel ebenfalls, die Grabsteine stürzten um, die Wege verkamen.

1935 begann man mit der Instandsetzung.

Die zerfallenen Seitenmauern wurden teils ergänzt, das Innere von Geröll und Schutt gereinigt, ein umgestürzter Pfeiler wieder aufgerichtet.

Die Grabplatten, die man unter dem Schutt, zum Teil im Boden eingelassen fand, erhielten eine geschützte und würdige Aufstellung an den Seitenwänden.

Auf dieselbe Weise wurde der Friedhof erneuert, die alten Wege wurden wieder gezogen, die Grabsteine gereinigt.

Auszug aus

„Kölner Domblatt, Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins 2011, S. 253-258“

Ergänzung zu Maria Geimers >Der Kölner Domchor und die rheinische Hochgotik< von Ernst Coester

Vier Kilometer von der Annakirche in Düren entfernt steht ein bisher kaum zur Notiz genommenes Beispiel dieser Kirchengruppe, nämlich der Turm der alten Pfarrkirche zu Merzenich. Nur dieser architektonisch bemerkenswerteste Teil einer im Übrigen jüngeren Hallenkirche des 14.-16. Jahrhunderts, die heute eine Ruine ist, kommt hier in Betracht.3

1 Erdgeschoss des Turmes von Süden
1 Erdgeschoss des Turmes von Süden

Dieser eingebaute länglich-rechteckige Westturm, der sich über einem an seiner Westseite ihn umgebenden gotischen Sockelgesims erhebt und über dem zweiten Geschoss mit einem umlaufenden gotischen Kranzgesims abschließt, wirkt fast noch blockhaft romanisch und hat auf den ersten Blick nichts mit dem Kölner Dom zu tun. Oberhalb des zweiten Geschosses befindet sich ein einfaches, im 17. Jahrhundert als Glockenstube hinzugefügtes Backsteingeschoss. Vermutlich sollte der Turm jedoch ursprünglich über dem massiven Unterbau und dem Kranzgesims ein in große spitz-bogige Fenster und zierliche Details sich auflösendes hochgotisches Glockengeschoss erhalten. Denn auch schon am Unterbau weisen sparsame, mit Sorgfalt ausgeführte Einzelformen einen feinen, hochgotischen Charakter auf, der unter dem Einfluss der Kölner Dombauhütte bzw. von ihr unmittelbar abhängiger Bauten steht. Ähnlich entwickeln sich am Außenbau des Domchores die reicheren Formen ja auch erst oberhalb des Gesimses des Kapellenkranzes. Der Turm hat ein flach gedecktes Erdgeschoss, das sich nach Norden und Süden in je einer frühgotischen Arkade, nach Osten in zwei Arkaden öffnet (Abb. 1).

2 Pfarrkirche Frauwüllesheim
2 Pfarrkirche Frauwüllesheim

Ihre Spitzbögen bestehen aus den gleichen dünnen Bogenquadern -das heißt sie haben eine äußerst schmale Bogenstirn - wie die ehemaligen rundbogigen Seitenschiffarkaden der von einem Meister aus der Dombauhütte errichteten Kirche zu Frauwüllesheim (Abb. 2),4 und ihre Kämpfergesimse zeigen dasselbe scharfkantige, aus kräftigem, spitzem Birnstab, tiefer Hohlkehle und kleinem Rundstab gebildete Profil wie das innere Kaffgesims des Langhauses von Frauwüllesheim, das mit jenem der Chorkapellen und der alten Sakristei des Domes übereinstimmt.5

3 Fenster an der Westseite des Turmes
3 Fenster an der Westseite des Turmes
4 Südwand des Turmes
4 Südwand des Turmes

Am Außenbau besitzt der Turm am Erdgeschoss nach Westen und Süden zur Beleuchtung eines niedrigen Zwischengeschosses unterhalb des zweiten Geschosses je ein kleines Spitzbogenfenster, dessen Bogen mit Nasen versehen und um das herum das die Geschosse trennende Schlaggesims verkröpft ist (Abb. 4).

5 Rosettenfenster am Turm
5 Rosettenfenster am Turm

Das zweite Geschoss weist an der Süd- und Nordseite je ein kleines rundes Maßwerkfenster auf, das im Norden die Form eines plattenmaßwerkartigen Vierpasses hat, im Süden einen reicher gestalteten Kreis mit Fensterrose darstellt (Abb. 5).

6 Frauwüllesheim, Westfassade mit Rosettenfenster
6 Frauwüllesheim, Westfassade mit Rosettenfenster

Die Rose ist eine vereinfachte, verkleinerte Replik des großen Rosettenfensters der Frauwüllesheimer Westfassade (Abb. 6), indem hier wie dort um die - inzwischen verwitterte -Nabe des Kreises drei große sphärische Dreiecke mit einbeschriebenen spitzblättrigen Dreipässen angeordnet sind. Nur auf die in Frauwüllesheim als Füllwerk in die Restzwickel des Kreises eingefügten, liegenden, runden Dreipässe ist in Merzenich verzichtet worden.

Am Kölner Dom sind die Vorstufen dieser Maßwerkrosen leicht greifbar. In dem Feld des Wimpergs eines südlichen Vorchorfensters befindet sich ein Kreis, der drei große Dreipässe und drei kleine Vierpässe umschließt.6 Noch ähnlicher ist aber das Motiv eines Fensters in einem der durchbrochenen quadratischen Felder der Turmhelme des großen Fassadenplanes F aus der Zeit um 1280 7: In den Quadratfeldern des dritten Stockwerks der Helme befindet sich ein Kreis, der drei große sphärische Dreiecke mit darin einbeschriebenen spitzblättrigen Dreipässen umschließt und in den Restzwickeln drei kleinere Strahlen hat.8 Hier dürfte das nächst verwandte Vorbild, dem die Frauwüllesheimer und die Merzenicher Rose entlehnt sind, zu fassen sein. Sitzt Letztere doch genau wie die Rosenfenster der Turmhelme des Domes ebenfalls in einem quadratischen Feld.

Der Turm ist das Werk eines wahrscheinlich in der Kölner Dombauhütte geschulten, mit ziemlicher Sicherheit beim Bau des Langhauses von Frauwüllesheim als Gehilfe des Bauleiters beteiligten Meisters. Hierauf lassen die präzise Quaderbauweise und die feinen, »in der Art der Kölner Hochgotik sehr sorgfältig behandelten«9 Details schließen. Seine Entstehung dürfte in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts anzusetzen sein, während das Langhaus der Kirche, wie weiter oben erwähnt, einer etwas jüngeren gotischen Stilphase angehört.

Allenfalls die untersten Partien der an die Westwand des Turms nördlich und süd­lich angrenzenden Westwände der beiden Seitenschiffe, die mit dieser im Verband gemauert sind, aber ihr gegenüber etwas nach Osten zurückspringen, dürften gleichzeitig mit dem Turm entstanden sein.

3       Paul Hartmann, Edmund Renard: Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 9,1), Düsseldorf 1910, S. 206-207. - Vgl. auch die Kurzberichte in den Jahrbüchern der Rheinischen Denkmalpflege: Die Baudenkmäler in Nord-Rheinland. Kriegsschäden und Wiederaufbau (Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege in Nord-Rheinland 19), bearb. von Heinz Peters, 1951, S. 46. - Hans Kisky: Bericht über die Tätigkeit der Rheinischen Denkmalpflege in den Jahren nach dem Kriege bis zum i. Juli 1953, in: Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1945-1953 (Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege in Nord-Rheinland 20), hg. von Walter Bader, 1956, S. 67-206, hier: S. 74. - Regierungsbezirk Aachen. Kurzberichte der Sachbearbeiter Aachen, in: Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1959-1964 (Jahrbuch der Rheinischen Denk­malpflege in Nord-Rheinland 25), hg. von Rudolf Wesenberg, hier: 1965, S. 89-156, S. 95.

 

4       Vgl. die Bauaufnahme von Hubert Kraitz bei Kristin Dohmen: Zur Tätigkeit Heinrich Wiethases in Frauwüllesheim, in: Jahrbuch des Kreises Düren 2005, S. 57-60, hier: S. 60. Bei Bauaufhahme ursprünglich schmale Bogenstim der Frauwüllesheimer Arkaden wurde bei deren Umgestaltung zu Nischen von Wiethase durch neue, mächtige Bogenquader ersetzt.

 

5       Vgl. Geimer [2], S. 27, 139. - Abbildung des Profils in: Paul Clemen: Der Dom zu Köln (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 6,3. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln 1,3), Düsseldorf ^1938, S. 106, Fig. 66.

 

6       Clemen [5], S. 95, Fig. 59.

 

7       Marc Steinmann: Die Westfassade des Kölner Domes. Der mittelalterliche Fassadenplan F (Forschungen zum Kölner Dom i), Köln 2003, zur Datierung: S. 54-116.

 

8       Vgl. die Abbildung der Turmhelme in: Steinmann [7], Faltplan und Abb. 50, S. 34 (Detail). -Detailausschnitt des Maßwerks in: Rainer Palm: Das Maßwerk am Chorgestühl des Kölner Domes, in: KDbl. 41,1976, S. 57-82, hier: S. 75, Abb. 24.

 

9       Hartmann, Renard [3], S. 207.