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Auszug aus  

SPUREN DER VERGANGENHEIT
von Hubert Böhr
Amtsblatt für die Gemeinde Merzenich vom 9. März 2007

Fotos: Otto Böhr 

Hauptaltar

Wer die Merzenicher Pfarrkirche St. Laurentius betritt, bemerkt am Ende des rechten Seitenschiffes einen kleinen Schnitzaltar. Dieser Altar stammt aus der alten Pfarrkirche.

Es handelt sich um den früheren Hauptaltar, der beim Bau der neuen Kirche 1898 -1901 dort hin mitgenommen und als Seitenaltar aufgestellt wurde.

Der Altar gehört zu den Flandrischen Schnitzaltären, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in auffallender Häufung vor allem im Norden des Kreises Düren aufgestellt wurden. Man ist versucht anzunehmen, dass es zu dieser Zeit geradezu eine Modeerscheinung wurde, einen solchen Altar im Ort zu besitzen. Unser Altar gehört zu den frühesten, die in unser Gebiet kamen.

Stammt unser Altar aus dem Kölner Dom?

Über die Herkunft des Altares ist bisher nichts bekannt. Auf Grund meines Schriftwechsels mit dem Rheinischen Amt für Denkmalschutz wurde mir von dort mitgeteilt, dass der Altar aus dem Kölner Dom nach Merzenich gekommen sei. Dabei bezog man sich auf zwei wissenschaftliche Veröffentlichungen von 1885 und 1958, die jedoch keinen direkten Nachweis enthalten. Ich habe daraufhin das Dombauarchiv des Kölner Doms angeschrieben um dort ermitteln zu lassen, wer wann den Altar dort erworben hat. Leider konnte in den dortigen Akten kein Nachweis über die Abgabe eines solchen Altares gefunden werden. So bleibt die Herkunft des Altares vorläufig ein Geheimnis. Handelt es sich um eine Schenkung oder Stiftung?   Da einer der ersten Altäre 1520 von den Schlossherren von Kellenberg für die Kirche von Barmen bei Jülich gestiftet wurde, ist es denkbar, dass der hiesige Altar von dem Burgherrn von Merzenich - zu dieser Zeit Arndt Weymar - gestiftet wurde. In der Fachliteratur werden die Altäre „Antwerpener Retabel" genannt, sofern sie die unten beschriebene Kennzeichnung tragen.

Die geschnitzten Figurengruppen zeigen auf der linken Seite die Kreuztragung, in der Mitte die Kreuzigung und rechts die Kreuzabnahme. Sie sind noch verhältnismäßig streng dargestellt.

Die Holzschnitzer der burlesken Figuren fühlten sich wohl eher als rechtschaffene Handwerksmeister denn als Künstler. Namen dieser Holzschnitzer sind deshalb auch nicht überliefert. Die Antwerpener Künstler waren in der St. Lukas-Gilde zusammengeschlossen. Ihre Erzeugnisse versahen sie mit einem Qualitätssiegel: Einer eingebrannten Hand und einer, durch zwei Hände stilisierten, Burg. Diese Zeichen trägt auch unser Altar. Die Schnitzer waren auf anrührende Art bemüht, den Figuren einen Ausdruck zu verleihen, der dem Geschehen angemessen erscheint. Ähnlich wie der niederländische Maler Pieter Bruegel, haben sie wohl als Vorlagen für die Gesichter, ihre Mitmenschen der bäuerlichen Umgebung genommen.

Die Flügelgemälde wurden bisher einem kölnischen oder niederrheinischen Meister zugeschrieben. Da mir nicht klar war, wie diese von Köln nach Antwerpen gekommen sein sollten, um mit dem Schnitzaltar zusammengebaut zu werden, wandte ich mich mit dieser Frage an das Denkmalamt. Man teilte mir daraufhin mit, dass nach neuem Kenntnisstand, die Malereien der Tafeln, der „Brüsseler Schule" zugewiesen werden. Die Datierung wird auf 1480/90 angesetzt.

Auch hinsichtlich der geschnitzten Figurengruppen hat die Restaurierung des Altars 1975 ergeben, dass diese, auf Grund der verwendeten Holzart Nussbaum und der Art der Verarbeitung, von Brüsseler Künstlern stammen müssen. In Antwerpen wurde ausschließlich in Eichenholz gearbeitet. Dass der Altar dennoch das Antwerpener Qualitätssiegel erhalten hat, lässt vermuten, dass der Zusammenbau in Antwerpen erfolgte. Die Lieferung kam jedenfalls von Antwerpen. Es ist schon länger bekannt, dass zwischen Antwerpen und Brüssel ein reger Austausch von Künstlern und deren Erzeugnissen stattgefunden hat. Die Altartafeln zeigen auf der Außenseite links den Engel der Verkündigung und rechts Maria bei der Verkündigung. Die Innenseiten zeigen links Christus vor Pilatus und rechts die Auferstehung Jesu.

In der alten Kirche hing auch ein „Apostelaltärchen", wie es unsere Vorfahren nannten. In ihm waren zwölf geschnitzte Apostelfiguren untergebracht.

Diese Figuren sind älter als der Flandrische Altar. Sie werden auf ca. 1410 datiert. Die Wissenschaft schreibt sie einem unbekannten kölnischen Meister zu. Von 1878 - 1887 wurde die Pfarrstelle in Merzenich von Vikar Hochscheidt verwaltet. Heinrich Büßgen, Lehrer in Merzenich, schreibt 1925 in den „Heimatblättern" unter „Mündlich überliefertes aus Merzenich": Der rührige Geistliche plante, auf dem 1879 an der Dürener Straße neu angelegten Friedhof ein „Heiligenhäuschen der immerwährenden Hilfe" errichten zu lassen. Dafür veranstaltete er eine Sammlung. Die Regierung, die noch unter dem Eindruck der Unruhen des „Kulturkampfes" stand, verbot die Errichtung des Heiligenhäuschens. Die gesammelten Gelder verwandte Vikar Hochscheidt daraufhin, um aus dem Flandrischen Flügelaltar und dem Apostelaltärchen einen einzigen Altar erstellen zu lassen. Bereits vorher hatte er beiden Altären einen neuen Anstrich geben lassen. Sie scheinen es damals sehr nötig gehabt zu haben.

Kriegsende in gemauertem Versteck überstanden

Auf Hinweis von Peter Dreßen erfuhr ich von Frau Splinter, dass der Altar gegen Kriegsende im Keller des Gutshauses Haas (heute Splinter, in der Burgstraße) eingemauert wurde und so die Kriegswirren unbeschadet überstanden hat.

Heute sind die Apostelfiguren - nach Restaurierung - auf der Vorderseite des Hauptaltars, hinter einer Sicherheits-Glasscheibe aufgestellt.

Seitenaltar und Triumphkreuz

Südlicher Seitenaltar aus schwarzem Marmor und Alabaster um 1650. 

In dem Aufbau ein großes gutes Relief der Grablegung zwischen Säulen; seitlich davon auf Konsolen zwei große allegorische Figuren. Als Abschluss dient ein kleineres rechteckiges Relief der Auferstehung, bekrönt von einem gebrochenen Giebel mit darauf liegenden Putten und dem Auferstandenen. Der Altar stammt angeblich aus der Caecilienkirche in Köln und kam am Anfang des 19. Jh. mit dem nachstehenden anderen Seitenaltar nach Merzenich.

Nördlicher Seitenaltar von schwarzem Marmor aus dem J. 1624; in der Mitte eine große, jetzt leere, von Säulen flankierte Nische mit einfacherem Aufbau.

 

Ehemaliges Triumphkreuz;

das Kreuz selbst, 2,3o m hoch, mit Maßwerkfüllungen gegliedert und mit Krabben besetzt, trägt auf den Enden Vierpässe mit den Reliefs der Evangelistensymbole; Korpus mit übereinandergelegten Füssen und reich geschürztem Lendentuch, gute Arbeit aus der Zeit um 14oo, neu bemalt. Die schöne Kartusche mit dem Namen Christi ist eine Zutat aus der Zeit um 155o.

Auszug aus dem 191o erschienen Buch: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz;

Band 9; Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren.